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  Neukölln       
          

Die historische Entwicklung

Ein Gebiet in zwei Gemeinden.
Unterschiedliche Bauordnungen schufen
eine heterogene Baustruktur.

Die ehemalige Gemeindegrenze zwischen der Gemarkung Rixdorfs und dem Dorf Britz ist noch heute auf Stadtplänen eingetragen. Hier befand sich die Britzer Heide, die in der Zeit des deutsch-französischen Krieges sowie noch einige Jahre danach ein Sammelplatz der Zigeuner und Kesselflicker war.
     Nach 1871 entstand auf Initiative von Carl Weder um die nach ihm benannte Straße ein neuer Ortsteil, der im Volksmund "Neubritz" genannt wird. Anfangs lag das Gelände noch in dörflicher Umgebung am Stadtrand. Dreißig Jahre später war Neubritz der Südrand der stark wachsenden Stadt Rixdorf, deren Umbenennung in Neukölln 1912 vom Kaiser genehmigt wurde.
     Mit der Eingemeindung zahlreicher Dörfer und Städte wie auch Britz, Rudow, Buckow und Rixdorf zu Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde der Entwicklung schließlich offiziell Rechnung getragen: Berlin war eine Großstadt geworden.
     Zwischen 1870 und 1910 zogen in Berlin 1.296.805 Menschen zu. Im selben Zeitraum wuchs Rixdorf von etwas mehr als 8.000 auf über 250.000 Einwohner an. Die Folge waren Wohnungsnot und der Bedarf an neuem Bauland.
     Die Nähe zur prosperierenden Reichshauptstadt machte das Gebiet an der Weder-, Bürger- und Jahnstraße als Wohn- und Gewerbestandort attraktiv.
     Wohnungssuchende, die die hohen Mieten in der Reichshauptstadt nicht zahlen konnten oder wollten, fanden hier einen Wohnsitz.Wohlhabendere Neubürger siedelten sich entlang der Chausseen, Buschkrugallee und Britzer Damm, an. Ihr Auskommen fanden sie als Fuhrherren, Milchpächter und Gemüsebauern.
     Betriebe, wie die Eisengießerei Carl Weeren und eine bis heute bestehende Dachpappenfabrik in der Glasower Straße, entstanden. Hinzu kamen unter anderem die Ceresinwerke und eine Lackfabrik in der Juliusstraße sowie eine Goldleistenfabrik in der Delbrückstraße.
     In der Wederstraße waren die Bäcker zuhause, etwa ein Dutzend sollen es gewesen sein. Das Britzer Landbrot hatte in Berlin einen guten Ruf.
     Mit der Bebauung von Neubritz und dem Zuzug neuer Bewohner entstand auch die Notwendigkeit eine Schule zu bauen. Am 1. Januar 1888 wurde von der Britzer Gemeinde mit der Errichtung einer Gemeindeschule in der Bürgerstraße begonnen. In diesem Gebäude ist auch heute noch eine Grundschule untergebracht.










Diese Villa an der Karl-Marx-Straße
mußte der Autobahn weichen.
Sie war ein Beleg für die unterschiedliche
Bebauungsstruktur im Gebiet.



Entwicklung der Bebauung

Der Bebauungsplan des Amtsbezirks Rixdorf-Britz von 1875 sah zwischen den beiden großen Ausfallstraßen sechs parallele Straßen vor. Projektiert waren auch drei Querverbindungen. Sie sollten das Gebiet in annähernd quadratische Blöcke unterteilen und beide Siedlungshälften direkt verbinden. Sie wurden aber nur teilweise realisiert. Auf der Britzer Seite an der Grenze zu Rixdorf war das Gelände noch nicht parzelliert.
     Die Bebauung im nördlichen RixdorferTeil des Gebietes orientiert sich eher an der für Berlin typischen Gründerzeitbebauung. Unter einer hohen Ausnutzung der Grundstücke wurden vorwiegend mehrgeschossige Mietshäuser mit Vorderhaus und Quergebäude in geschlossener Bauweise errichtet.
     Im Britzer Siedlungsbereich enstanden anstelle der Blockrandbebauung in der ersten Phase ein- bis dreigeschossige Wohnhäuser, die auf dem rückwärtigen Grundstücksteil errichtet wurden. Die kleinteilige Nutzung wird durch Ställe und Remisen in den Seitenflügeln ergänzt. Zahlreiche Beispiele finden sich in der Bürgerstraße, der Juliusstraße und mehrere in der Jahnstraße. Sie sind Rudimente der dörflichen Bautradition von Britz und des ehemaligen Rixdorf.
     Mit der Änderung der Bauordnung wurde ab 1907 auch in Britz die geschlossenene Bebauung zulässig. Vereinzelt entstanden gründerzeitliche Mietshäuser mit Vorderhaus und einem Quergebäude. Diese Mischung führte zu dem heterogenen Charakter des heutigen Sanierungsgebietes.


Straßenrückbenennung in der
Wederstraße am 26.1.1956
Carl Weder

Die südliche, die Britzer Hälfte des Sanierungsgebietes wurde durch Leben und Werk des Lederwarenfabrikanten Carl Weder geprägt. "Vater Weder", 1840 in Berlin geboren, war ein fortschrittlicher Bodenreformer. Nach dem Vorbild des utopischen Sozialisten Robert Owen rief er 1871 den "Bauverein der Beamten und Handwerksmeister" ins Leben, der das Land um die spätere Bürgerstraße erwarb. Er vergab Parzellen zu günstigen Preisen. Bei der damals herrschenden Wohnungsnot war es sein Bestreben, kleinen Handwerksmeistern die Gelegenheit zu bieten, sich zu erschwinglichen Kosten vor der Stadt anzusiedeln.
     Seine Aktivitäten, seine Beliebtheit und seine Erfolge beim Aufbau von "Neubritz" trugen ihm nicht nur Freunde, sondern auch viele Neider ein.
     1890 wurde Carl Weder in seinem Haus bei einer verbotenen politischen Zusammenkunft verhaftet. Die Wederstraße wurde daraufhin in Werderstraße umbenannt und erhielt erst 1956 auf Antrag des Heimatforschers Willy Grigat wieder ihren historischen Namen.

     


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