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Ein weißes Pferd

Ein weißes PferdAnfang August wurde mit einer Postkarte die unmittelbar bevorstehende Ankunft eines weißen Pferdes im Carl-Weder-Park angekündigt. Die Nachricht sprach sich schnell herum, vor allem unter den Kindern.
Ein weißes Pferd beflügelt die Fantasie, es ist ein Traumbild. Kaum jemand, der nicht ein Märchen kennt, in dem es auftaucht: Der Prinz kommt auf einem weißen Pferd daher; es hat magische Kräfte, kann ein verwunschener Königssohn sein. So ist die Idee eines weißen Pferdes schwebend und zauberhaft. Am 6. August 2005 wurde diese Idee Realität: Hannibal, ein großer schneeweißer Kaltblutwallach, ein Wesen aus Fleisch und Blut, zog für drei Wochen in den Park ein.

Von der Idee zur Realisierung
Am Anfang stand die Suche nach einem Pferd: Es musste geeignet sein, an diesem Ort drei Wochen zu leben, das heißt mit einer ungewohnten Situation zurechtkommen. Und es musste einen Besitzer haben, der es für eine Aktion zur Verfügung stellen würde, bei der die Risiken zwar zu minimieren, jedoch nicht ganz auszuräumen waren. So war es ein großes Glück, dass Glinda Spreen, die Inhaberin des Kinder- und Jugend- Reitvereins Zehlendorf so viel Vertrauen hatte, ihren Wallach Hannibal nach Neubritz zu bringen. Sie schickte auch Momo mit, ein braunes Pony, das mit Hannibal in Düppel eine Weide teilt. Pferde sind als Herdentiere auf die Gesellschaft von Artgenossen angewiesen, um sich wohl fühlen zu können.

AktionstagUm den Pferden den notwendigen Lebensraum zu geben, musste eine Koppel gebaut werden – ein erheblicher Aufwand für einen so kurzen Zeitraum. Eine sinnvolle Lösung war gefunden, als der gemeinnützige Neubritzer Jugendhilfeverein Stockwerk e.V. unter der Leitung von Herrn Sobotka seine Kooperation anbot und innerhalb seiner handwerklichen Ausbildungsarbeit mit Jugendlichen den Zaun mit großer Perfektion errichtete. In Zusammenarbeit mit der Tischlerei Manns bauten sie auch einen Stall auf dem firmeneigenen Grundstück in der Bürgerstraße, wo die Pferde unter der Aufsicht von Herrn Hartwig übernachten konnten. Das Holz wird nach dem Abbau des Zauns wieder verwendet. Verwendet wurden auch die Pferdeäpfel: in der Gartenarbeitsschule in der Rungiusstraße wurde auf die Initiative von Frau Kuschnerow ein Misthaufen angelegt, der nun dem Schulgarten als Dünger dient.
Kurz vor Hannibals Ankunft war die eingezäunte Fläche so sorgfältig gereinigt worden, dass man "vom Boden essen" und das Pferd das tun konnte, was es seiner Natur gemäß tut: grasen.

Bewegende Besucher
Die raumgreifende Maßnahme der Koppel bedeutete für die Anwohner und Parkbesucher, dass sie auf 1400 m2 – ein Drittel der Parkfläche für mehrere Wochen verzichten mussten. Dafür konnte man Hannibal dabei beobachten, wie er täglich sein Revier durchwanderte, es bis in den letzten Winkel als Nahrungsquelle nutzte und dabei seinen inneren Bewegungsmustern folgte.
Während der drei Wochen öffnete sich ein neuer sozialer Raum: Durch seine Anwesenheit und seine Anziehungskraft veränderte Hannibal die Beziehungen der Menschen zueinander. Der Park war bevölkert, bewohnt, friedlich. Täglich kamen Kinder nach der Schule mit geschälten Möhren und Äpfeln, Mütter und Väter besuchten die Pferde ebenso wie Gruppen aus umliegenden Kindergärten, Schulen und Wohnprojekten. Auch Lehrer der Zürich-Grundschule reagierten auf die Situation: im Biologieunterricht wurde die Anatomie des Pferdes durchgenommen, im Kunstunterricht wurden Pferde gezeichnet. Und "III.frühling e.V". arbeitete an drei Tagen zum Thema: "Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde". Die Gruppe zeichnete im Park und beschäftigte sich im nahe gelegenen Lehmgebäude mit dem Thema des Pferdes in Märchen und Mythologie.

AktionstagDie Neuköllner Bibliothek veranstaltete einen Aktionstag, an dem an einem Nachmittag Vorleser in 10 verschiedenen Sprachen aus Pippi Langstrumpf lasen.
Jeden Samstagabend organisierte die Werkstatt für Veränderung (WfV) Veranstaltungen, bei denen man im Park zusammenkommen konnte. Zur Eröffnung hielt Marcello Pocai einen Vortrag mit dem Titel: "Respekt – was Tiere brauchen".
Am darauf folgenden Samstag präsentierte III.frühling e.V. die Ergebnisse des Workshops in einer Open-Air-Ausstellung.
Anlässlich der Pferdelounge zeigten die Wederboys einen Film, den sie über sich und ihr Leben gemacht hatten. Werkstattcontainer und Liegestühle wurden zum Kino.
Der Abend mit Leselampen begleitete den Abschied von den Pferden.
Bei den letzten beiden Veranstaltungen initiierte eine Gruppe von 10 Mädchen Tanzdarbietungen, die sie von den Proben über die Kostümierung bis zur Musik eigenständig vorbereitet hatten.

Während der ganzen Zeit wuchs ständig die Anzahl der freiwilligen Helfer, die von der Werkstatt für Veränderung Ausweise bekamen nachdem sie sich ein Grundwissen über den Umgang mit Pferden angeeignet hatten. Sie sorgten dafür, dass die Koppel als exklusiver Lebensraum für Hannibal und Momo respektiert und ihnen nichts Schädliches gefüttert wurde. Sie sammelten herumfliegenden Müll auf, damit nicht ein Windstoß ihn auf die Weide wehen und er von den Pferden versehentlich gefressen werden konnte.

Die gemeinsame Erinnerung an die Zeit mit Hannibal wird im Frühjahr 2006 durch ein sichtbares Zeichen ergänzt: Die Fläche der ehemaligen Koppel wird gründlich erneuert, so dass sie noch grüner ist als vor dem Besuch. Auch der Werkstattstempel ist bereits auf der Mauer weitergerückt und hat seinen Platz für eine Erinnerungsplakette freigeben.

Die Werkstatt für Veränderung dankt, Glinda Spreen, der Besitzerin von Hannibal für ihr Vertrauen, Herrn Sobotka (Stockwerk e.V.) für sein großes Engagement und sein beherztes Handeln, Herrn Hartwig für die Nachtwachen und die liebevolle Betreuung, Nicole Schwarz (LPBB) für die Beratung und organisatorische Hilfe, Marcello Pocai für wertvolle Anregungen im Hinblick auf einen respektvollen Umgang mit Pferden, der Tischlerei Manns für den Pferdeschlafplatz und rund 60 Helfern, die sich die Verantwortung für Hannibals Wohl geteilt haben.
Seraphina Lenz                           
SeitenanfangStand: Juni 2003