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Allen Widerständen zum Trotz…

Ehemalige Schulleiterin der Zürich-Grundschule antwortet leben in NEUBRITZ

  Frau Klotzsche, wann kamen Sie an die Zürich-Grundschule?
Ende 1969 wurde ich vom Schulamt angesprochen, ob ich ab Januar 1970 die Schulleitung kommissarisch übernehmen könnte. Bis dahin war ich Lehrerin an der Teltowkanal-Grundschule und man sagte mir zu, dass ich auch an diese wieder zurückkehren könne. Nach zweieinhalb Jahren wurde ich dann offiziell Leiterin der Schule. Der Beginn war zunächst auch nicht ganz unproblematisch, denn Frauen in Leitungspositionen waren damals noch eher ungewöhnlich.

  Wie sahen die Schwierigkeiten aus als junge Schulleiterin Anfang der 70er Jahre?
Zunächst musste ich mich in den ersten Wochen gegenüber den zumeist älteren Kolleginnen und Kollegen behaupten, was aber schnell gelang. Durch die Situation, dass ich mein Amtszimmer jahrelang mit unserer Sekretärin teilen musste, ergaben sich mitunter Verwechslungen. Besucher hielten mich für die Sekretärin, was manchmal auch ganz lustig war. Einmal kam ein Vertreter der Landesbildstelle zur Kontrolle unserer audiovisuellen Geräte in die Schule und traf mich allein im Büro an. Er duzte mich, witzelte und schäkerte mit mir und verlangte die Unterschrift meines Chefs, des Schulleiters. Als ich ihm endlich erklären konnte, wer ich bin, war er völlig verblüfft und verließ mit dem unterschriebenen Protokoll fluchtartig den Raum.

  Welche Situation fanden Sie denn 1970 in der Zürich-Grundschule vor?
Die Zürich-Grundschule war eine kleine Schule in einem Kiez, die als Institution anerkannt war. Wir hatten um 1970 herum noch rund 450 Schüler. Es waren damals keine Ausländer an der Schule und die Eltern engagierten sich. Die Bevölkerung bestand vornehmlich aus Handwerkern, kleinen Angestellten und Selbständigen. Als dann Mitte der 70er Jahre die ersten Ausländer an unsere Schule kamen, ließen die sich auch leicht integrieren und konnten häufig am Gymnasium ihren Schulweg fortsetzen. Das Thema des Autobahnbaus blieb immer vorhanden, aber man hatte das Gefühl, es liegt noch in ferner Zukunft.

  Wie wirkte sich denn der geplante Autobahnbau auf die Entwicklung der Bevölkerung aus?
Anfang der 70er Jahre hieß es, es seien noch zwei bis drei Jahre bis zum Umzug unserer Schule in einen Neubau. Dann wurde der Autobahnbau durch Einspruch der Haberecht-Siedlung für einige Jahre gestoppt und die Trassenführung der Autobahn geändert. Die Grundstücke in der Wederstraße wurden zunehmend für den Autobahnbau angekauft und damit wandelte sich auch die Bevölkerungsstruktur. Die ehemaligen Besitzer und Mieter zogen aus. Die leerstehenden Häuser wurden in der Übergangszeit vorwiegend für die Unterbringung von Problemfamilien genutzt. Daneben zogen viele türkische Familien in das Umfeld der Schule, so dass wir 1982 eine reine Ausländerklasse einrichten mussten. Durch allgemeinen Rückgang der Schülerzahlen sollte unsere Schule bei Beginn des Autobahnbaus aufgelöst werden. Die Kindertagesstätte in der Wederstraße erhielt einen Neubau auf dem Grundstück in der Riesestraße, das ursprünglich für unseren Ersatzbau vorgesehen war. So verloren wir einen großen Teil der deutschen Kinder aus unserem Einschulungsbereich, und viele Eltern verweigerten wegen der drohenden Schließung eine Anmeldung an unserer Schule. Mit dem rot-grünen Senat wurde 1989 die Autobahnplanung wieder in die Schublade gelegt und das Schicksal unserer Schule blieb unklar.

  Wie wirkte sich diese Planungsunsicherheit auf das Schulgebäude aus?
Es wurden in all den Jahren nur dringende, unfallträchtige Mängel beseitigt. Erst als ich 1986 das im Jahr 1988 fällige 100jährige Schuljubiläum vorzubereiten begann, unterstützte uns der damalige Stadtrat für Volksbildung, Herr Colell, und setzte sich für eine grundlegende Sanierung ein. So wurden bis zum Jubiläum folgende Maßnahmen ausgeführt: Instandsetzung und Renovierung des Schulgebäudes, kleinere Umbauten, Einbau eines Sekretariats im Endflur neben dem Amtszimmer, Einbau einer Akustikdecke und Umbau der Bühne in der Aula sowie die völlige Umgestaltung des maroden Schulhofs zu einem Spiel- und Pausenhof.

  Würden Sie denn die Zürich-Grundschule auf Grund der Rahmenbedingungen als eine Problemschule in dieser Zeit bezeichnen?
Nein, das war sie ganz bestimmt nicht. Auch wenn wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, blieb die Schule eine kleine, überschaubare Einheit, die sich immer wieder auch diesen Widerständen entgegengestellt und Lösungen gefunden hat. Der zunehmende Anteil ausländischer Kinder bereitete uns kaum größere Sorgen bis auf die erheblichen Sprachprobleme. Zur Unterstützung erhielten wir vom Schulamt eine türkische Lehrerin.

  Bis wann waren Sie Schulleiterin an der Zürich-Grundschule?
Bis April 1997 habe ich die Zürich-Grundschule geleitet.

  Wenn Sie jetzt auf diese Zeit zurückblicken, sind Sie froh, dass die Schule entgegen der damaligen Planung nun erhalten bleibt?
Natürlich, die Zürich-Grundschule war und ist eine kleine Grundschule, die kleinste in Neukölln, und das Arbeiten hat hier, vielleicht auch wegen dieser geringen Schüleranzahl, Spaß gemacht und wir können sagen, dass wir in dieser Zeit erfolgreich waren.
Das Interview führten               
Horst Evertz u. Alexander Matthes               
SeitenanfangStand: November 2004