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Neubritzer nehmen Stellung

Kritik und Wünsche

Eine breite Fachöffentlichkeit beschäftigte sich vergangenen November im Rahmen einer Konferenz mit Themen der Stadterneuerung: Nicht zuletzt auf Anregung der Betroffenen-vertretung (BV) stellte sich den Verantwortlichen anschließend die Frage, inwieweit die Bewohner vor Ort den Einschätzungen der Fachleute folgen können (s. nebenstehenden Artikel). Deshalb befragten Herr Kwiet (BV) und Herr Matthes (BSG) Anwohner über deren Meinung zum Image des Gebietes, über ihr Verhältnis zu den Akteuren der Sanierung und über die Veränderungen in "ihrem" Sanierungsgebiet; insbesondere kamen Wünsche und Vorstellungen darüber zur Sprache, was den Menschen fehlt und wofür die begrenzten Geldmittel eingesetzt werden sollten.Die Interviews mussten aus redaktionellen Gründen gekürzt und zusammengefasst werden. Dabei hat sich die Redaktion bemüht, die zum Teil deutliche Kritik unverfälscht wiederzugeben. Gekürzt wurden vornehmlich Wiederholungen.

ANDREW + SONJA STREICHHARDTBERND KWIET

  ANDREW + SONJA STREICHHARDT, Delbrückstraße 64
Wir waren beim Straßenfest in der Rungiusstraße, die Ecke ist ganz schön da. Die Sanierungszeitung haben wir noch nie im Briefkasten gehabt, da müsste die Zustellung verbessert werden. (Die Zustellung der Sanierungszeitung erfolgt gewissenhaft, ist aber nicht überall möglich, da in den Häusern teilweise keine Klingelanlagen vorhanden sind. Somit ist ein Zugang zu den Briefkästen manchmal nicht möglich. Die Zeitung kann jedoch im Vor-Ort-Büro der BSG, Glasower Str. 67, abgeholt werden. Anm. d. Red.) Das Logo kennen wir von Visitenkarten der Ärzte und der Hauswand in der Hermannstraße.
Die Häuser in einem Sanierungsgebiet sollten modernisiert werden: Wir hatten gehofft, dass unser Haus auch saniert wird, da es im Hausflur mal gebrannt hat. Eine Klingelanlage wäre auch schön. Aber der Vermieter macht bei uns nichts. 2005 müssen die Öfen raus, vielleicht passiert dann ja etwas.
In der Gegend hat der Ausländeranteil zugenommen, was in der Schule zu Problemen führt. Man kann das bei unserem Sohn von der ersten Klasse bis jetzt ganz gut verfolgen.
Er ist jetzt 12 Jahre alt und hat hier in der Nähe keine richtigen Spielgelegenheiten. Für dieses Alter fehlt etwas. Der Wasserspielplatz in Britz-Süd ist schön, so was ähnliches wäre hier gut. Die Delbrückstraße ist ein Dorf für sich allein, hier zieht kaum einer weg.Ein Spielplatz mit Café wäre schön, wo Eltern sitzen können, wenn die Kinder spielen. Angebote für ältere Menschen fehlen. Ansonsten sind die Einkaufsmöglichkeiten hier und in der Nähe gut. Wir fühlen uns hier wohl, weil man in einer zentralen Lage lebt, aber nicht gleich mittendrin ist.

  BERND KWIET, Jahnstraße 40
Ich habe ständigen Kontakt zu den Akteuren vor Ort mit dem Versuch, etwas in die Reihe zu bringen. Bunte Bilder erscheinen in diesem Blatt. Der Name "Neubritz" steht sogar an Hauswänden. Für den Rest der Berliner ist "Britz" eine Autobahnausfahrt.
Zum Anfang kam alles in Schwung. Jetzt, wo kein Geld mehr zur Verfügung steht, ist es nur eine ständige Behinderung.
Kleine Verbesserungen, wie den Park (Rungius- | Jahnstraße) in einen Schulgarten umzuwandeln, sind besonders erwähnenswert. Die nächtliche Kriminalität wurde dort so beseitigt. Einige Häuser wurden saniert, einige sind schon reif für Nachbesserungen. Das Gebiet entfremdet sich aber für die alten Einwohner immer mehr. Wer kann, zieht weg. Viele Wohnungen stehen leer. (Der Leerstand liegt im Sanierungsgebiet fluktuationsbedingt bei 5% – Tendenz: Zuzug. Anm. d. Red.) Straßen wie die Bürgerstraße machen einen schlechten Eindruck. Kurz gesagt, es ist nicht viel wert hier zu wohnen.
Nach sechs Jahren ist Halbzeit, machen wir daraus Endzeit. Lösen wir das Sanierungsgebiet auf. Die Sanierungsziele können nicht erreicht werden.
Den Menschen fehlt hier, was man großspurig vor Beginn des Sanierungsgebietes versprochen hat: Eine bessere Lebensqualität im sogenannten "Neubritz".

  FRAU PRIEBE Bürgerstraße 1
Ich werde ja ständig informiert, aber die Außendarstellung bringt mir nichts. Mein Geschäft im Sanierungsgebiet hat mir nur Nachteile gebracht, da keine Struktur mehr vorhanden ist. Die Wohnqualität ist miserabel, wer kann zieht weg. Das öffentliche Geld sollte genutzt werden, um Betriebe und Geschäfte heranzuholen und damit wieder mehr Struktur und Anreize für Bewohner zu bieten.

  JAN-NIELS POCHERT Delbrückstraße 64 + 65
Ganz am Anfang, vor ca. 7 Jahren, hatte ich Kontakt zum Bezirksamt, nachdem man sich bei mir ins Grundbuch mit einem Sanierungsvermerk eingetragen hatte und ich über mein Eigentum nicht mehr frei entscheiden konnte.
Wozu braucht ein Sanierungsgebiet eine Außendarstellung? Wichtig ist, dass es saniert wird, oder? Und das sehe ich, insbesondere was die öffentlichen Pflichten angeht, nicht! Sehen Sie sich zum Beispiel die Glasower Straße an, die mehr und mehr verkommt und nicht fachgerecht repariert wird. Auch der Staat hat eine Verpflichtung, seine Einrichtungen vernünftig zu unterhalten.

Abgesehen von der neuen Autobahn, die ja ein Bundesbauprojekt ist, haben die einen oder anderen einige Renovierungsarbeiten durchgeführt, das kann man sehen. Was die Bereiche angeht, die in Senatszuständigkeit fallen, scheint mir die Gegend doch etwas verwahrlost zu sein. In den letzten Jahren wurden zum Beispiel die Straßenbäume nicht so geschnitten, wie es sein müsste, und die Reinigung der Straße und des Bürgersteigs lässt zu wünschen übrig, obwohl wir alle dafür bezahlen. Anscheinend kommt nur dann jemand, um sauber zu machen, wenn man anruft. Die kleinen Fegewagen, die auf dem Bürgersteig fahren und mehr oder weniger nur den Staub aufwirbeln, sind ein Witz. Man hat den Eindruck, dass hier weniger Geld von öffentlicher Seite zur Verfügung steht, als wenn wir kein Sanierungsgebiet wären.Wenn nur wenig öffentliches Geld vorhanden ist, sollte man das Sanierungsgebiet sofort einstellen und den Sanierungsvermerk aus den Grundbüchern nehmen, ohne dass den Eigentümern Kosten entstehen. Das gilt auch generell so, die Einmischung des Staates führt immer wieder dazu, dass sich an vielen Stellen kein Rad mehr dreht.Den Menschen fehlen hier in erster Linie Arbeitsplätze – und die können nur entstehen durch mittelständische Unternehmen, die gut funktionieren. In zweiter Linie denke ich, dass die Menschen auch Wohnraum brauchen, der noch erschwinglich ist, und keine hochsanierten Luxuswohnungen, die sich keiner mehr leisten kann.

GERDA SCHLITTGISELA + HORST STREICHHARDT

  GERDA SCHLITT Delbrückstraße 67
Bei der BSG war ich mal wegen der zu hohen Ladenmiete meiner Kneipe, die ich in der Bruno-Bauer- Ecke Delbrückstraße hatte. Deshalb war ich auch mal beim BfS. Die Hilfe des BfS führte letztendlich nicht zum gewünschten Ergebnis. Mit dem damaligen Mitarbeiter der Kindl-Brauerei war ich schließlich beim Hauswirt und dadurch konnten wir eine Mietreduzierung erwirken. Ich bin dann aber seit 1999 doch aus der Kneipe raus – wegen der zu hohen Miete.
Toll finde ich die Außendarstellung des Gebietes. Erst wollte ich alles aufheben, aber irgendwann müssten meine Kinder alles wegschmeißen. Die Grenze zum Sanierungsgebiet ist genau nebenan in der Delbrückstraße 66. Die haben ihren Hof ganz toll gemacht, in der 64 sieht es aber noch ganz schlimm aus.Die Veränderungen in den letzten Jahren hat man schon bemerkt. Ich bin damals mit vielen Nationen groß geworden, die arabischen Jugendlichen sind heute nicht mehr so aufdringlich. Seit das Jugendberatungshaus da ist und die Moschee nicht mehr existiert, ist es besser geworden. Der Carl-Weder-Park ist ein Traum, da werde ich diesen Sommer spazieren gehen.Mir fehlt hier im Gebiet nichts, die Wohnung ist einigermaßen saniert, die Hausverwaltung ist prima, ich wünschte mir nur eine Badewanne.

  GISELA + HORST STREICHHARDT, Delbrückstraße 64
Vor ca. 2 Jahren sind wir zusammen mit unseren Nachbarn wegen Mängeln im Haus zur Mieterberatung gegangen. Die Dachrinne war kaputt und das Treppenhaus ist gefährlich, weil das Geländer wackelig ist. Trotz der Unterstüzung der Mitarbeiter konnten wir Hauseigentümer nichts erreichen.
Wir wohnen hier schon seit gut 25 Jahren. Von der Sanierung waren wir nicht direkt betroffen. Das ist eher der Bereich um die Wederstraße. Da haben wir dann manchmal was darüber gehört.
Was nützen schöne Planungen, wenn nichts passiert und die Eigentümer kein Geld haben? Einige Eigentümer müssten an den Hörnern gepackt werden, damit sie ihren Teil dazu beitragen.
Unser Haus könnte schon lange mal schöner gemacht werden, aber wegziehen wollen wir hier auch nicht. Wir haben viel Kontakt zu den Nachbarn und fühlen uns dadurch wohl. Die Leute, die hier schon lange wohnen, lieben den Kiez, und der Park ist jetzt angenehmer als vorher die Wederstraße.
Es verändert sich ja vieles: Als erstes fällt einem der Autobahntunnel mit dem Park ein. Dann gibt‘s hier an der Ecke Delbrückstraße | Bruno-Bauer-Straße neben ALDI Bauarbeiten. Da soll wohl eine Kita hin. Den Schulgarten in der Rungiusstraße kennen wir auch. Wo die Moschee war, ist jetzt der Jugendclub. Die Moschee hat uns aber nie gestört. Als freitags die Autos da standen, wurde man immer durchgelassen, da jagen mir heute manchmal die Gestalten vor dem Jugendclub mehr Angst ein.
Die persönliche Situation hat bei der Sanierung für uns erste Priorität. Aber unser Vermieter will keine öffentlichen Mittel, weil er meint, dass damit sein Eigentum eingeschränkt sei. Im allgemeinen ist die Unterbringung und Ausbildung der Kinder ganz wichtig. Dafür könnte im Gebiet was getan werden. Man sollte auch ein paar Straßen in Ordnung bringen.

Im Grunde fehlt uns hier eigentlich nichts. Die Infrastruktur ist gut. Die U-Bahn und S-Bahn sind vor der Tür. Das italienische Restaurant Girasole ist sehr schön, man kann dort im Park sitzen. Uns fehlen eher nette Cafés für ältere Leute, wo man schönen Kuchen bekommt und man nett sitzen kann. Erschreckend ist, dass so viele kleine Geschäfte aufgeben. Die Straßen machen zum Teil auch keinen guten Eindruck. Wir würden auch gut finden, wenn die Kinder einen größeren Bolzplatz bekommen könnten, damit sie sich richtig austoben können.
Der Straßendreck durch die Hunde ist schrecklich. Jeder, der hier wohnt, beschwert sich. Der Park ist auch schon ein Hundeauslaufgebiet geworden. Vielleicht kann eine eigene Ecke für die Hunde geschaffen werden.
SeitenanfangStand: Juni 2003