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  Neukölln       
          
   Schwerpunkt
 
Kultur in Neubritz
 
 Würde man eine Kulturlandkarte Berlins entwickeln, so wäre Neubritz ein kleiner weißer Fleck: Unbekannt. Vielleicht erinnert sich noch jemand an Roland Eckelts Projekt "Ruinen bauen" in der damals kurz vor dem Abriss stehenden Wederstraße, vielleicht fällt ein Schatten der Philipp-Melanchthon-Kirche mit ihren vielen kirchenmusikalischen Aktivitäten darauf, vielleicht wehen ein paar Klänge aus dem Musikbunker an der Hermannstraße herüber – ein eigenes kulturelles Profil aber sucht man vergebens.
Wie auch, ringt doch Neubritz insgesamt nach Jahren gewaltigen Umbaus und Durchlöcherung gerade erst um ein neues Profil. Wie sollte sich da bereits kulturelles Leben entwickelt haben?
Im Sommer 2001 hat es jedoch eine erste erfolgreiche "Kulturexpedition" nach Neubritz gegeben: Während des Kulturfestivals "48 Stunden Neukölln" schlug die Volksbühne vom Rosa-Luxemburg-Platz ihre Zelte ( in diesem Fall Container) auf einem Stück Land auf, das es eigentlich gar nicht gibt, dem Dreieckchen zwischen Rungiusstraße, Autobahn-Belüftungsbau und Rückgebäuden der Bürgerstraße. Unter lebhafter Beteiligung vieler Anwohner, von Kultur-Trebegängern und einer mitreisenden Fan-Gemeinde war die "Rollende Road-Show" mit "Toast-Pixel"-Kunstwerk, Bühnen-Show und hintersinnigen Talk-Runden zu Gast. Nach schwierigen Stationen in Marzahn, Hellersdorf und dem Märkischen Viertel konnten die fahrenden Künstler der Volksbühne ihre Neubritzer Station als vollen Erfolg verbuchen, nicht zuletzt wegen der nachdrücklichen Einmischung örtlicher Klein-Künstler in die Show. Das aus einem legendären Film bekannte Phänomen wiederholte sich: Die vermeintliche Wüste lebt, wenn man nur genau hinsieht.
Die Expedition war nicht nur für die Volksbühne ein Erfolg, sondern sie stieß uns, die wir uns um Kultur in Neukölln zu kümmern haben, auch auf ein Terrain, über das es sich nachzudenken und zu fantasieren lohnt. Um gleich ein Missverständnis gar nicht erst aufkommen zu lassen: Ein Kulturamt besteht nicht aus Künstlern, die wie ein Wanderzirkus mit ihren eigenen künstlerischen Produkten einen Landstrich beglücken, sondern aus Menschen, die die Voraussetzungen und Bedingungen dafür zu schaffen haben, dass sich Kunst und Kultur entwickeln können; insbesondere wenn die öffentliche Hand die dafür benötigten Mittel beisteuert. Wir müssen – und können, wenn wir unsere Arbeit gut machen – Menschen herausfordern, selbst kulturell tätig zu werden. Und wir können die Voraussetzungen dafür schaffen, dass professionelle oder auch Amateur-Künstler produktiv werden und dass im Wohnumfeld erreichbare Möglichkeiten existieren, sich vor allem in der Freizeit kulturell zu vergnügen, aktiv oder passiv.
Dazu braucht man allerdings Menschen, die Anstöße geben, und Orte, an denen all dieses machbar ist.
Unter den Planern ist ganz zu Recht niemand auf die Idee gekommen, einen pompösen Kulturtempel auf den Autobahndeckel bauen zu wollen. Eine kleine Ecke aber im neuen Neubritz könnte sich weit eher zum passenden Kulturstandort entwickeln; die baulichen Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gegeben: nämlich auf dem Bunker Ecke Rungius-/Bürgerstraße.
Ein bisschen Kultur hat sich hier ja bereits angesiedelt: Der Bunker wird von dem dort beheimateten Motorradclub als Musiktreffpunkt genutzt. Das ist wunderbar.
Ein Ideenbrainstorming für die an den neuen Schulgarten angrenzende Bunkeroberfläche, an dem sich Sanierungsfachleute, Grünplaner, Anwohner und das Kulturamt beteiligten, zeugte genauso Wolkenkuckucksheime wie auch backbare Brötchen. Die ausgewählten Entwürfe werden eine Open-Air-Situation schaffen, die Kultur möglich macht – nicht die große, laute, dazu ist das Plätzchen viel zu eng in dicht bebautes Gebiet eingeschachtelt. Möglich sein werden aber kleine Musikveranstaltungen, Theater oder Film und Open-Air-Ausstellungen, verbunden zum Beispiel mit Bildhauer-Workshops; vielleicht könnte sich auch ab und zu ein kleiner Kunst&Trödel-Markt dort ansiedeln.
Bislang ist nicht geklärt, wie das Kulturfleckchen zu betreiben ist: "Wer entwickelt Projektideen, wer betreut das Gelände und wer führt Veranstaltungen durch", lauten die noch ungeklärten Fragen. Im Idealfall wäre dies eine Angelegenheit für interessierte Anwohner, benachbarte Schulen, Kitas oder Jugend- und Senioreneinrichtungen. Da wir in Deutschland sind, müsste sich eigentlich ein Verein "Pro Bunker" gründen. Denn nur die gemeinsame Verantwortung der Menschen, die dort wohnen und ein Auge darauf werfen können, kann das Plätzchen vor Vermüllung und raschem Verfall schützen.
Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kulturamtes jedenfalls werden gerne mitdenken und versuchen, einen solchen Prozess der kulturellen Aneignung anzustoßen. Wie weit wir uns mit Man- oder Woman-Power einbringen können oder ob und wie weit wir finanziell unterstützen können, hängt von der Bedeutung ab, die der Kultur in Neukölln zugemessen wird und die dementsprechend mit Geld und Arbeitskraft unterstützt wird.
Ich will nicht zu viel versprechen – aber dass wir bereits mit wenig Geld und staatlich finanzierter Arbeitskraft Kultur in Neukölln entwickelt haben, ist eine Tatsache. Vielleicht gelingt es ja auch in Neubritz – wenn die Neubritzer dies wollen und mit bei der Sache sind.
Übrigens – die Volksbühne will vielleicht in diesem Jahr wiederkommen, für einen längeren Zeitraum dann und mit einem spannenden Film-Projekt, für das viele Laien-Schauspieler aus der Bevölkerung benötigt werden.
 
Dr. Dorothea Kolland,
Leiterin des Kulturamtes

Tel 6809 – 2814

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