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   Glosse

"Wichtije Leute"

Wissen se, det se bei die Jraberei für’n Park am Buschkrug Anfang der fuffzijer Jahre Knochen und Scherben aus frühjeschichtlicher Zeit jefunden habn und sich och die ollen Römer bei uns wohljefühlt habn? Und wissen se och, wat für wichtije Leute bei uns im Kiez jewohnt habn? Na, ick werde Sie mal uffklärn!
Der Name "Britz" kommt von die blaublütije Familie Britzik, die später Britzkes jeheißen habn und die 1375 bei die Dorfkirche ihrn Hof hattn. Zwischen 1416 und 1699 hat denen det janze Dorf jehört, aber denn musstn se allet verkoofen. Für’n Umbau von die ollen Dorfkirche hat übrijens 1888 der Pfarrer und Oberschulinspektor Jotthelf Justav Heinrich Rungius jesorgt.
Unsre Jejend war lange Zeit Acker mit jeringm Wert. Der Landesökonomierat Franz Ludwig Späth hat hier ne Baumschule uffjemacht, wo bis zu 250 Leute malocht habn. Als denn de Ringbahn jebaut wurde, hat sich nen reicher Fabrikant aus Berlin die "Juliusburg" jebaut, um mang die Jetreidefelder seine Ruhe zu habn. Später wurde det ne Kneipe, wo die Jungs aus Britz, Buckow und Rudow mit ihren Bräuten ne kesse Sohle uffs Parkett jelegt und bis in die Puppen jeschwooft habn. Och die Rixdorfer Sozis habn sich da jetroffen, aber wo se ma wat über die Belastung von die Leute durch die "Steuerschraub" erzählt habn, kam die jrüne Minna und hat die janze jute Jesellschaft uffjelöst.

 ...wat'n, wir jehn nur unsa'n revolutionär'n Neijungen nach

Nach 1866 hat Carl Weder mit jeerbten und jeborgtem Jeld det janze Jelände uffjekooft. Er wollte keene Mietskasernen habn, sondern kleenen Handwerkern die Jelejenheit jebn, sich zu mäßijen Preisen vor die Stadt anzusiedeln. Weder hat det Jebiet uffjeteilt, die Chausseen jebaut und nach die Leute von die bürjerliche Demokratiebewejung jenannt, so wie’n "Turnvater" Jahn. Jenannt hat er det Jebiet "Neu- Britz" und so stand et och noch im Telefonbuch, nachdem’s nach Rixdorf einjemeindet wurde. "Vater Weder" war immer ein juter Freund, er hat sich für die Waisen und Arme einjesetzt. Ick gloobe sojar, er hat jewisse revolutionäre Neijungen jehabt, denn wenn sich heimlich Mitglieder vom "Fortschrittsverein" bei ihm oder im "Buschkrug" trafen – die Kneipe jehörte ihm ne jewisse Zeit –, denn hat er ne schwarz-rot-joldene Fahne jehisst, die er von seinem Ollen hatte und die noch von die Barrikaden 1848 stammte. Im Jahr 1890 habn se so’n Treffen verpfiffen und die Gendarmerie hat se alle mitjenommen. Na, det jab nen Skandal und die Banken habm Weder die Hypotheken jekündigt, so det er keene Penunse mehr hatte. Er is denn nach Rixdorf jezogen und hat in armseelijen Verhältnissen als Buchbinder jearbeitet, bis er 1914 jestorben is. Verbuddelt is er uff’m Friedhof von die "Böhmische Brüderjemeinde" hinter die Magdalenkirche. Aber ‘n Ehrenjrab, wie der Theologe und Philosoph Bruno Bauer, der uff dem St. Jakobi Friedhof verjrabn is, hat Weder nich jekricht. Die Obrigkeit wollte sojar det Jedenken an den ollen Weder janz weg habn, in dem se die "Wederstraße" in "Werderstraße" umbenannt habn. Aber die Jören ham immer wieder det "r" aus dett Straßenschild jekratzt, bis die Straße 1956 denn doch wieder nach ihm jenannt worden is.
In der Bendastraße 21 am Kranoldplatz hat Aujust Heyn jewohnt. Weil die Kinder im 1. Weltkrieg Kohldampf jeschobn habn, kam er uff die Idee, Schuljärten anzulejen, um Jemüse anzubauen. Später is ne richtje Reformbewejung daraus jeworden, wo die janze Penne draußen stattjefunden hat. So habn die Kleenen janz praktisch jelernt, wie und wat so allet jrünt und blüht oder kräucht und fleucht. Da haben’se mit’m Spaten jebuddelt, jesungn und bei richtijer Hitze sind se och baden jejangen, weil der erste Schuljarten von janz Deutschland war ja am Britzer Hafen, wo heute die Müllkutenindianer sind. Ick versteh’ ja, det’se so kleenet Viehzeug hatten, wie Karnickel und so. Aber wozu hab’m die Tabak anjebaut und Holundermost jemacht? Ick werde mal die Pauker von unsrem Schuljarten in die Rungiusstraße dazu befrajen.

Bertil Wewer


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