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   Hinweise 
Förderungen im
Sanierungsgebiet

Für die Modernisierung von Altbauten stehen die Förderprogramme des Landes Berlin zur Verfügung, deren Bedeutung innerhalb der Sanierungskulisse allerdings beständig abnimmt. Besonders in Neubritz sind nur wenige Objekte vorhanden, die einen entsprechend umfassenden Erneuerungsbedarf haben. Zunehmend spielen daher die indirekten Förderungen durch steuerliche Abschreibungen und zinsverbilligte Darlehen eine größere Rolle, denn hier kann der Bauherr oder Eigentümer schnell und flexibel handeln.
     Nach der Wiedervereinigung wurde in den 90er Jahren mit den Möglichkeiten der Sonderabschreibung der Aufbau Ost gefördert und mitfinanziert. Nach dem Auslaufen dieser sogenannten Sonder-AfA sind erhöhte Abschreibungen gemäß §7h des Einkommenssteuergesetzes in Sanierungsgebieten geblieben. Voraussetzung hierfür ist die Erteilung einer sanierungsrechtlichen Genehmigung gemäß § 144 BauGB. Erst nach Abschluss der Maßnahmen wird die erforderliche Bescheinigung auf Antrag für das Finanzamt ausgestellt. Hierdurch sollen steuerliche Begünstigungen von Maßnahmen verhindert werden, die nicht dem Sanierungsziel entsprechen.
     Bei der Modernisierung von Altbauten spielen auch die Kreditprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine Rolle. Insbesondere das CO2-Minderungsprogramm bietet Zins- und Laufzeitkonditionen weit unter den Angeboten der Kapitalmärkte. Gefördert werden damit Maßnahmen zur Heizungsumstellung und Wärmedämmung.
     Über die Förderprogramme des Landes Berlin – sowohl bei Neubau, als auch bei der Altbaumodernisierung – informiert die Investitionsbank Berlin (IBB); aktuelle Zinskonditionen und Anträge der KfW halten in der Regel die Hausbanken bereit oder sind unter: http://www.kfw.de abrufbar. Bei steuerlichen Fragen und zum Thema Abschreibungsarten wird sich jeder Bauherr sicherlich zunächst mit seinem Steuerberater zusammensetzen.

   Kiezgeschichten

Leben in der We(r)derstraße 50


Werderstraße, 1950, in Richtung Britzer Damm
Die Wederstraße 50 ist eines der Häuser, die wegen des Autobahnbaus abgerissen wurden. Frau Knight hat mit ihrer Familie von 1952 bis 1972 in diesem Haus gelebt. Heutige Bewohner des Gebiets wissen oft nichts mehr vom damaligen Leben, nur noch Spuren sind heute davon zu finden. Deshalb haben Frau Knight und ihr Ehemann Fotos und Erinnerungen hervorgeholt, um das Verlorengegangene - gutes wie schlechtes - nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
     Frau Knight erzählt: Die Eigentümer der Wederstraße 50, die Familie Buczko, lebten mit im Haus; als eine von fünf Mietparteien in den insgesamt vier Wohnungen. Angrenzend wohnten die Familien Eisenreich und Schiller. Gegenüber lag die Zürich-Grundschule, die ich selbst aber nicht besucht habe. Das Haus war im Krieg zum Teil beschädigt worden. Als meine Mutter nach dem Krieg – nach ihrem 12-stündigen Sitzstreik vor dem Amtszimmer des Bürgermeisters – einziehen durfte, befand sich in der Decke noch ein großes Loch. Unsere Wohnung bestand aus vier Zimmern, in denen vier Personen lebten. Die Wohnungen waren einfach, aber liebevoll eingerichtet. In unserer Wohnung befand sich die einzige Toilette mit Wasserspülung. Die anderen Mietparteien teilten sich eine Außentoilette ohne fließend Wasser.
     Der Hof wurde von allen intensiv genutzt: zum Feiern, zum Arbeiten oder zum Spielen. Während des Krieges war man verpflichtet, zur Löschung von Bränden eine Wasserstelle im Hof einzurichten. Daraus wurde nach dem Krieg ein Beet, das immer liebevoll z.B. mit Tulpen und Sonnenblumen bepflanzt wurde. Frau Edith Buczko arbeitete in einer Gärtnerei, weshalb es nie an Pflanzen mangelte.
In den 50er Jahren gab es in der We(r)derstraße viele Einzelhändler; unter anderem Bäcker, Fleischer und mehrere Lebensmittelläden. Der Milchladen Albrecht lieferte noch in den 50er Jahren die Milch mit einem Bollerwagen in die Zürich-Grundschule. Lebensmittel gab es u.a. bei Tillak (vormals Ristau). Der Lebensmittelladen Pogade ging später pleite. Kurz zuvor hatte mich der Besitzer noch – als er die gewünschten zwei Pfund Mehl nicht mehr hatte – zu Tillak geschickt, um das Mehl dort zu kaufen und ihm zu bringen. Dieses von mir geholte Mehl hat er mir dann verkauft. Aber ich kaufte ja gerne ein. Gerne erinnere ich mich auch an Frau Wiesner von der Fleischerei Wiesner, die uns spielenden Kindern immer "Bruchwurst" zu essen gab, von der wir aßen, bis uns schlecht wurde.
     In unserer Freizeit haben wir uns mit vielerlei beschäftigt: Gesellschaftsspiele, Modellbau, Dampfmaschinen, Eisenbahnanlagen, Handarbeiten, Lesen (Bücher konnte man im Buchladen Rusten am Britzer Damm ausleihen), Mopedfahren, Spielen, Musizieren, Basteln und Handwerken. Wir gingen ins Kino, zur Tanzstunde, ins Theater und in die Oper. Es gab immer viel Geselligkeit, gegenseitige Hilfe und spontane Feste mit den anderen Hausbewohnern und Nachbarn. Zu Silvester konnte man z.B. in vielen Häusern der Wederstraße einkehren und mitfeiern. Die Kinder waren bei den Nachbarn und Einzelhändlern bekannt und man lebte ein bisschen wie auf dem Land.
     Ende der 50er Jahre wurde bekannt, dass die Straße abgerissen werden soll. Nach und nach wurden Häuser an den Staat verkauft. Ich heiratete 1966 und ging nach England. 1968 kam ich mit Mann und Kind nach Berlin zurück und lebte wieder in der Wederstraße bei meiner Mutter. Immer mehr Grundstücke wurden abgeräumt; sie verfielen, die Straße wurde verwildert, schmutzig und ungemütlich. 1972 zog ich mit meiner Familie weg. Zu dieser Zeit bekamen wir für unseren Umzug keine Unterstützung, da wir ja noch nicht unmittelbar vom Abriss bedroht waren, also aus "freien Stücken" wegzogen.
     Die Wederstraße besuchten wir nur ab und zu. Kurz vor dem Abriss waren wir noch einmal dort und sahen Hausbesetzer in unserer ehemaligen Wohnung. Noch heute denken wir mit Melancholie an den Abriss zurück. Danach waren wir nur noch selten dort. Ich habe vor Kurzem gesehen, wie der Park angelegt wurde. Er ist sicher schön für die, die jetzt da wohnen, aber ein Ersatz für unsere Wohnung, die damalige Gemeinschaft und die fast ländliche Idylle der Wederstraße kann der Park natürlich nicht sein.
Werderstraße 50, 1955

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