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Kristalleishandel Poranske


Hedwig Poranske


Bei dem Gedanken an Eis denken heutzutage die meisten Menschen an Speiseeis oder eventuell an "crushed" Eis um sich ihren Caipirinha zu mixen. Es ist heute eine Selbstverständlichkeit, sich eine Flasche Bier eisgekühlt aus dem Kühlschrank zu nehmen und diese entspannt in einer schwülen Sommernacht zu genießen. Vor der massenhaften Verbreitung dieses Gerätes mussten die Menschen, aber auch gewerbliche Betriebe ihre verderblichen Lebensmittel in Kühlkästen lagern, die mit Eis als Kühlmittel gefüllt waren. Die Belieferung von Privathaushalten und Gewerbebetrieben übernahmen damals Unternehmen wie der Kristalleishandel Poranske, ein Familienbetrieb aus Neubritz.

Das kleine Berliner Unternehmen wurde schon um 1900 von Max Poranske betrieben und hatte sein Domizil im damaligen Rixdorf in der Kannerstraße 5 gefunden. Anfangs lieferte er seine Waren noch per Pferdewagen aus, bis er dann einen Lkw mit Spezialaufbau von der Firma Gaubschat aus Neukölln erwarb. Mit anhaltendem Geschäftserfolg erwarb die Firma ein Grundstück in der Jahnstraße 48 und errichtete sich ein eigenes Firmengebäude mit Garagen. Betrieben wurde das Unternehmen dann vom Sohn des Gründers und dessen Frau, da Max Poranske im 1. Weltkrieg gefallen war.

Das Eis bezog der Händler aus dem Eiswerk in der Kreuzberger Trebbiner Straße 9, dem heutigen Deutschen Technikmuseum, aber auch aus dem Neuköllner Eiswerk, das sich nun Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen nennt. Die Fertigung des Eises erfolgte in Stangen von über einem Meter Länge, die stangen- oder portionsweise verkauft wurden. Gewerbliche Kunden waren hauptsächlich gastronomische Betriebe, Fleischereien und Lebensmittelfachgeschäfte. Die Auslieferung des Eises war gerade an heißen Sommertagen bei den Kindern, die immer auf der Suche nach Abkühlung waren, sehr beliebt. Für sie fiel immer ein Stückchen Eis ab, dass beim Teilen der Eisstangen übrig blieb.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Auslieferung umgestellt, so dass nur noch in kleineren Fahrzeugen geliefert wurde. Dadurch wurden im Sommer aber auch mehr Fahrer benötigt, da die Nachfrage nach wie vor ungebrochen war. Die damals schon weit über achtzig Jahre alte, ehemalige Chefin begleitete die Wagen immer noch als Beifahrerin, um ihren Kundenstamm zu versorgen, der sich in den Bezirken Britz, Neukölln und Kreuzberg konzentrierte. Das Geschäft wurde ab 1953 von der Schwiegertochter des Gründers weitergeführt, bevor die Firma 1958 an einen Eishändler in Neukölln verkauft wurde.

Phillipp Heise


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