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Brennholz für Kartoffelschalen

Ein Anwohner erinnert sich

  Herr Kwiet, wo und wann sind Sie geboren?
Bernd Kwiet: Ich bin am 24. April 1951 in der Jahnstraße in Berlin Britz geboren und habe dort mein ganzes Leben verbracht.

  Was haben Ihre Eltern gemacht?
Bernd Kwiet: Mein Vater war Großhändler für Kartonagen, Säcke, Holzkisten, vornehmlich für Verpackungen, aber auch tausend andere Sachen. Er hatte seinen Lagerplatz oben am Britzer Damm und in der Jahnstraße haben wir gewohnt. Nach dem Krieg ging mein Vater über diesen Hof, alles verwildert, überall Pflanzen, Bäume und dann steht da das Haus bzw. das, was vom Haus übrig geblieben ist, eine große Brandmauer mit dem Schornstein und Kamin. Alles andere liegt in Schutt und Asche. Er hat 1947 alles abtragen und wieder neu aufbauen lassen. Er hatte sein eigenes Grundstück, Haus und Garten wurden gepflegt und er war sehr stolz darauf.

  Aber so war es doch in der Jahnstraße meistens?
Bernd Kwiet: In der Jahnstraße gab es alles, große und kleine Häuser, die heute noch stehen. Diese kleineren Häuser mit den Gärten, die werden heute noch gepflegt, es war aber eigentlich ein Mischgebiet.

  Wie haben Sie Ihre Kindheit verbracht?
Bernd Kwiet: Wir haben unseren Spielplatz gehabt und da war der Park nebenan. Als jüngere Kinder haben wir die meiste Zeit auf diesem Spielplatz in der Rungiusstraße/ Ecke Jahnstraße verbracht. Der war damals eigentlich viel abenteuerlicher und eigentlich auch schöner als heute. Leider ist dieser Spielplatz damals schon sehr oft beschädigt worden. Wir hatten dort einen schönen Indianer-Marterpfahl gehabt, der angesteckt wurde. Auch die Rutschen wurden mit Steinen zerschlagen. Auf der anderen Seite der Wederstraße, in diesem großen Laubengelände, haben wir auch Cowboy und Indianer gespielt.

  Es gibt ein Buch über Neukölln, in dem auch das Thema "Brennholz für Kartoffelschalen" erwähnt wird. Ist das auch für Sie ein Begriff?
Bernd Kwiet: Ja. Im Priesterweg gab es noch einen Kuhstall. Dort wurde die Milch lose in einer Kanne verkauft. Der Händler fuhr dann immer mit seinem Tempowagen ’rum und hat immer gebrüllt: "Brennholz für Kartoffelschalen" und die Leute brachten dann diverse Küchenabfälle und bekamen eine Handvoll Brennholz. Dieser Handel war ganz weit verbreitet. Der Kuhstall ist schon seit Ende der sechziger Jahren zu. Da ist heute eine Autowerkstatt drin.

  Wie war denn damals so die Nachbarschaft. Kannte man sich? Gab´s mehr Gemeinsamkeiten?
Bernd Kwiet: Da kann ich nur von der Jahnstraße reden. Als ich ein Kind in den fünfziger Jahren war, kannte eigentlich jeder jeden. Wenn ich mich verlaufen hatte, brachte mich sofort jemand zurück. In der Nachbarschaft waren auch drei Lebensmittelläden, der eine nannte sich noch Kolonialwarenladen. Der Fahrzeugverkehr war gering. Man war mehr auf der Straße. Es war eigentlich eine ganz gemütliche saubere Ecke.

  Welche Rolle spielte in diesem Gebiet die Wederstraße?
Bernd Kwiet: In der Wederstraße war die sozial niedrigste Klasse angesiedelt. Während man in der Jahnstraße und in der Bürgerstraße noch ein gutes Einkommen hatte, war´s in der Wederstraße anders. Die Häuser hatten häufig Außentoiletten, viele abbruchreife Häuser standen dort. Für uns Kinder war es ja ganz schön. Dennoch hatte ich damals den Eindruck, daß es den Menschen dort viel schlechter ging. Mein bester Spielkamerad kam aus der Wederstraße. Deswegen kann ich mich ja so gut erinnern, wie die Probleme da waren.

  Wir sprechen jetzt hier vom Kiez Neubritz. Gab es früher so etwas wie einen Kiez?
Bernd Kwiet: Nein, ich mag auch das Wort Kiez nicht. Wir waren eigentlich ein Teil von Neukölln, wir waren ein Teil von Berlin. Wir fühlten uns niemals als Teil vom Kiez. Das Wort Kiez ist mir erst viel später zugetragen worden. Wir haben es überhaupt nicht benutzt, es war nicht in unserem Wortschatz.

  Neu-Britz ist ein alter Name für dieses Quartier, der jetzt neu belebt werden soll.
Bernd Kwiet: Neubritz, ja gut, o.k., es gibt ein altes Britz, dann nennen wir uns eben Neubritz. Aber bitte nicht wieder nur Neubritz, laßt uns ein Teil von Berlin, ein Teil von Neukölln bleiben. Nicht so polarisiert, nur nicht diesen Ort so abgrenzen, ja?!

Das Interview führte Horst Evertz, BSG     


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