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Die Bollock Brothers im Bunker


Georg Eichler und Lutz Subera engagieren sich seit
vielen Jahren im Bunker in der Rungiusstraße


Bunkereingänge Rungiusstraße

Das Grundstück neben dem geplanten Schulgarten ist fast komplett mit einem Bunker bebaut. Wochentags könnte ein vorbeieilender Passant den Eindruck gewinnen, daß dieser schon lange nicht mehr genutzt wird. Abends und am Wochenende jedoch bevölkert sich das Bauwerk und vielfältige Aktionen finden statt. Zwei der Mieter des Bunkers, Georg Eichler und Lutz Subera, gaben im folgenden Interview Auskunft über ihre bisherigen Aktivitäten und ihre Vorstellungen für die Zukunft.

  Seit wann und für welchen Zweck haben Sie den Bunker gemietet?

Eichler: Seit vielen Jahren, zum Teil schon seit über 15 Jahren ist hier der Übungsraum für unsere Band. Hier kann man auch ohne zeitliche Begrenzung spielen, weil die Anwohner wegen der 1,60 m dicken Wände nichts hören. Wir spielen Rockmusik. Ich bin der Schlagzeuger, spiele aber auch andere Instrumente. Früher hießen wir mal die "Rocksisters", aber zur Zeit haben wir keinen Namen, weil sich einige Mitglieder der Band anderweitig orientieren und deshalb muß man erstmal sehen, wie es weiter geht.

Subera: Der Bunker ist eine Art Clubhaus für unseren Motorradclub, die "44er". Der Name "44er" stammt vom ehemaligen Postbezirk Neukölln her. Wir sind eine rein private Interessengemeinschaft und starten hier vor allem unser "Funprogramm": Ausflüge, Gedenkfahrten usw. Die Band ergänzt sich sehr gut mit den Motorradleuten.

Eichler: Wir helfen und unterstützen uns gegenseitig beim Schleppen der Instrumente und der Ausrüstung, beim Kabellegen, Aufbau der Anlage etc. Es sind immer Leute da, die mit anfassen.

Subera: Auch die Feten werden gemeinsam organisiert.

  Können Sie etwas über die Geschichte des Bunkers erzählen?

Eichler: Als Kinder haben wir schon auf dem Bunker gespielt. Eine Frau aus der Umgebung hat mir mal erzählt, wie es früher hier war. Im Krieg wurde der Bunker als Sanitätsbunker genutzt, in dem Verletzte versorgt wurden. Angeblich wurde er einmal von einer Luftmine getroffen, weshalb einer von den Kaminen schiefsteht. Später war’s dann ein Senatsbunker.

  Eine Musikband und ein Motorradclub sind vielleicht nicht immer beliebte Nachbarn. Wie ist Ihr Kontakt zu den Anwohnern?

Eichler: Das beste, was man machen kann, ist doch einen Bunker, der zu Kriegszwecken gebaut wurde, für friedliche Zwecke, zum Musik machen und für Kultur oder für die Kinder zu nutzen. Deshalb ist unser Kontakt zu den Nachbarn sehr gut.

Subera: Wir sind beide hier aufgewachsen und kennen von daher etliche Leute aus dem Gebiet. Neulich waren z.B. auch ältere Herrschaften hier, die sich den Bunker ansehen wollten.

Eichler: Ich bin hier um die Ecke in die Zürich-Grundschule gegangen.

Subera: Die Nachbarn kommen auch hierher, auch wenn eine Feier ist. Zweimal im Jahr machen wir ein etwas grösseres Fest. Zum Beispiel die "Anmeldeparty", wenn im Frühjahr die Motorräder wieder angemeldet werden. Da nehmen viele Leute teil, die hier wohnen. Da kann ich noch so ein kleines Kuriosum erzählen: vor zwei Jahren hatten wir sogar die Bollock Brothers zu Gast. Die haben nebenan in einem Hotel übernachtet. Als sie hörten, daß hier was los ist, sind sie einfach herübergekommen und hier aufgetreten.

Eichler: Der Bunker hat sogar Berühmtheit bis Amerika erlangt. Wir kriegen auch Post aus Amerika, aus Kanada. Einmal bin ich ans Telefon, da war jemand aus Texas dran, der bei uns vorbeikommen wollte.

  Werden Sie über Ihre eigentlichen Band- oder Clubaktivitäten hinaus in der Umgebung aktiv?

Eichler: Die Feste sind ein Beispiel dafür. Ich wünsche mir, daß wir die Straße mal sperren können für ein Straßenfest, wo Alte und Junge einfach zusammen feiern. Man könnte Buden aufbauen, Musik machen, Grillen usw. So ein Fest würde den Zusammenhalt im Kiez fördern.

Subera: Wir sind permanent damit beschäftigt, nicht nur unseres, sondern auch die nebenan liegenden Grundstücke von Müll zu säubern. Wir sorgen zum Beispiel auch dafür, daß dieser abgefahren wird. Da hier keine direkten Anwohner sind, ist dieser Strassenabschnitt - ganz besonders hinter den Werbeplakaten - die reinste Müllabladestelle. Ein Zaun wäre sehr wichtig, damit hier kein Müll mehr abgeworfen wird und das Grundstück nicht zum Hundeklo wird.

Eichler: Außerdem sehen wir darauf, daß die Umgebung einigermaßen ansprechend gestaltet ist. Wir bepflanzen das Grundstück, haben den Bunker gestrichen, dichten das Dach an einzelnen Stellen immer wieder ab usw. Die Eingangstür haben wir mit schönen Graffitis bemalt. Wenn wir solche Aktionen machen, kommen oft Kinder zum Helfen. Manchmal haben wir auf dem Bunkerdach mit allen gefrühstückt. Wenn es blüht und grünt und die Sonne scheint, ist es hier richtig idyllisch.

  Nebenan soll ein Schulgarten entstehen. Was halten Sie von dieser Planung?

Subera: Endlich passiert mal etwas auf der Fläche. Wir würden uns über einen Schulgarten sehr freuen, weil das eine schöne Sache ist, daß das Grundstück als Grünfläche genutzt wird. Vielleicht auch mit einem Teich und Beeten. Wir hätten Interesse, mit denen zusammen etwas zu machen. Wenn es nebenan ein bißchen besser aussieht, wird das hoffentlich auch für das Bunkergrundstück abschreckend wirken. Im Botanischen Garten wirft ja auch niemand seinen Müll ab. Das Gelände muß ebenfalls mit einem Zaun gesichert werden, wegen der Hunde und dem Müll.

  Würden Sie gern weiter hier im Bunker und dem Gebiet bleiben?

Eichler: Natürlich wollen wir bleiben. Im Lauf der Jahre haben wir für die Verschönerung und Instandhaltung des Bunkers und der Grünflächen drumherum einiges an Material und Arbeitszeit investiert.

Subera: Ich bin total zufrieden hier. Zwischendurch habe ich am Maybachufer gewohnt, bin aber wieder hierher gezogen, weil es mir hier gut gefällt, und ich alles in der näheren Umgebung habe, was ich so brauche. Ich wäre ein gebrochener Mann, wenn man mir das hier wegnehmen würde. Es kann doch nicht sein, daß es in ein paar Jahren heißt: wir brauchen euch jetzt nicht mehr. Das wäre nicht fair, wenn wir hier jahrelang Arbeit reinstecken und ein Paradies daraus machen und dann rausgeschmissen werden.

Eichler:
Ich wohne jetzt nicht mehr hier, bin aber hier aufgewachsen. Für mich ist der Bunker auch ein ganz wichtiger Ort in meinem Leben. Ich hoffe, daß wir noch viele Jahre hierbleiben und Musik machen können und auch, daß die Umgebung schöner gestaltet und nicht mehr so vermüllt wird. Es wäre schön, wenn die Leute mehr Verantwortung übernehmen und fühlen würden, daß hier ihre Straße und ihr Gebiet ist.

Das Interview führte     
Luzia Weber, BSG     

Lutz Subera (links) und Georg Eichler


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