NEUBRITZ - HOME

SANIERUNGSGEBIET
WEDERSTRASSE     
       

PROJEKTE                   

AKTEURE UND         
ANSPRECHPARTNER 

A R C H I V                
SANIERUNGSZEITUNG
BROSCHÜREN            
Geschichte und          
Denkmale in Britz
        

Vorwort, Einführung       
Chronik Britz                     
Vor- und Frühgeschichte  
Denkmalliste mit Plan      
Ortsgeschichte Alt-Britz   
Denkmalensemble           
Stadtentwicklung Neu-Britz
Ideal-Siedlung               
Hufeisensiedlung          
Britzer Gärten               
Britzer Mühle                
Naturdenkmale – Pfuhle 
Neubritz – Autobahn     
und Gewerbehof           

Neubritz – Grünzug      
und Wohnungsbau       

Literaraturverzeichnis   
P R E S S E                   
INFO-MAPPE              

AKTUELLES / SUCHE

KONTAKT                  
IMPRESSUM            


  Neukölln       
V O R -   U N D   F R Ü H G E S C H I C H T E
 


Geologischer Überblick

Der Neuköllner Siedlungsraum befindet sich auf der Hochfläche des Teltowplateaus, das in seinen Ausläufern nahezu den gesamten Südraum von Berlin umfasst. Das Teltowplateau ist durch die von Skandinavien vorrückenden eiszeitlichen Gletscher entstanden, die auf ihrem Weg den Schutt des Untergrundes mit sich nahmen. Nach dem Abschmelzen der Gletscher fiel der von den Gletschern mitgeführte Schutt zu Boden und bildete Lehm, in dem kleinere und größere, feste Gesteine verteilt liegen blieben. Die größeren von diesen natürlich vorkommenden Steinen werden auch "erratische Blöcke" oder "Findlinge" genannt. Zwei Naturdenkmalen finden sich auch in Britz. Der eine Findling wurde 1930 freigelegt und anschließend ca. 2m von seiner Fundstelle entfernt im Akazienwäldchen an der Blaschkoallee abgelegt. Der zweite Stein dient heute als Gedenkstein für die Opfer beider Weltkriege und liegt im "Ehrenhain" am Fennpfuhl.


Neuköllner Findling im Akazienwäldchen in Britz

Die Steinzeit (bis 1800 v. Chr.)

Erste sichere Funde stammen aus der mittleren Steinzeit (8000-3000 v. Chr.). In der Scheveninger Straße in Britz wurde beim Bunkerbau im Krieg eine Steinkeule gefunden, die man außer zum Schlagen auch als Werkzeug zum Abhäuten von Tieren benutzt haben könnte. Die Steinzeitmenschen dieser Zeit waren hauptsächlich Jäger und Fischer, sie lebten aber auch vom Sammeln von Nüssen, Beeren, Wurzeln und verschiedenen Gemüse.

Die Anzahl der Funde erhöht sich in der jüngeren Steinzeit (3000-1800 v. Chr.). Die Menschen bearbeiten jetzt den Boden, den sie vorher nur nach etwas Essbarem durchsucht hatten. Beim Bau der Hufeisensiedlung konnten zahlreiche Funde aus dieser Zeit geborgen werden. Neben aus Knochen und Stein gefertigten Geräten wie z.B. Messern und Bohrern, wurden auch Reste von Siedlungen und Urnenfeldern (aus der Zeit zwischen 800 bis 300 v. Chr.) gefunden.


Abb. a - d : Westgermanische Keramiken
mit Verzierungen – Abb. e: Spinnwirtel

Die Römische Kaiserzeit
(1-400 n.Chr.)

Die ersten vier Jahrhunderte nach Christi Geburt bezeichnen die Archäologen als römische Kaiserzeit. Der Name dient der Kennzeichnung der Epoche und bedeutet, dass sich die Römer in dieser Zeit im Gebiet zwischen Elbe und Oder aufhielten. Bei den Funden aus dieser Zeit in Britz handelt es sich ausschließlich um Siedlungsfunde. Charakteristisch hierfür sind die oft glänzend schwarzen, westgermanischen Keramiken mit Verzierungen, die durch ein kleines Rädchen eingeritzt wurden. Bei den Funden aus Britz (Onkel-Bräsig-Str. 16) sind die Rädchenabdrücke sehr fein und zart. Gleichzeitig dürften aber die Mehrzahl der in Neukölln gefundenen Spinnwirtel, die bis zur Erfindung des Spinnrades im Jahre 1530 zum Spinnen von Wolle benutzt wurden, aus dieser Zeit stammen.
 

Völkerwanderungszeit und
Merowingerzeit (400-700 n. Chr.)

In der Geschichte Europas wird das Jahr 375 n. Chr. als der Beginn der Völkerwanderungszeit angegeben. In dieser Zeit erfolgte die Abwanderung eines großen Teils der im Süden Berlins siedelnden burgundischen Bevölkerung an den Mittelrhein. Etwa zur gleichen Zeit leerten sich auch der nördliche Raum des heutigen Berlins, das angrenzende Havelland und der Barnim. Selbst in dieser Zeit blieb der Teltowrand zwischen Rixdorf und Rudow besiedelt. Die Erkenntnisse dieser Zeit stammen aus Grabstellen, wie z.B. der Fund des "Britzer Mädchens" aus der Zeit um 600 n. Ch..1951 entdeckten Arbeiter an der Blaschkoallee das Grab eines ca. 16-17 Jahre alten Mädchens. In dem Grab wurden reiche Beigaben wie z.B. goldene Anhänger und eine silbervergoldete Bügelfibel mit Einlage von AImandinen gefunden, was den Wohlstand der zurückgebliebenen germanischen Restbevölkerung zeigt. Besonders auffällig war eine grünliche Glasschale mit Fadenauflage. Da Glaswerkstätten zu dieser Zeit im germanischen Bereich Mitteldeutschlands noch nicht bekannt waren, ist anzunehmen, dass die Schale importiert wurde.

Einen Einblick in die Todesvorstellungen dieser Zeit vermittelt der "Charonspfennig" der dem Mädchen als Gabe für den Fährmann auf dem Weg ins Jenseits in den Mund gegeben wurde. Man nahm an, dass die Verstorbenen beim Übergang in die Totenwelt einen Fluss zu überschreiten hätten.


Bügelfibel mit Almandinen

Das Britzer Mädchen gehört zu den letzten germanischen Funden in Britz und stellt damit die letzte Spur intensiver Besiedlung in dieser Gegend dar. Die einwandernden Slawen, welche auf noch vorhandene germanische Bevölkerungsreste trafen, besiedelten dieses Gebiet nicht, so dass der Britzer Raum noch lange frei von länger andauernder menschlicher Niederlassung blieb.

Die Slawenzeit (700-1000 n. Chr.)

Im Kern von Berlin und der Schwesterstadt Cölln fehlt jede Spur des Aufenthaltes der Slawen. Trotz besonders gründlicher Durchforschung des Britzer Gebietes ist bisher nicht eine slawische Scherbe gefunden worden. Das auffällige Fehlen von Besiedlung im Britzer Raum bis 1000 n. Chr. kann aus der Besonderheit slawischer Siedlungsweise erklärt werden. Die nicht sehr zahlreichen slawischen Völkerschaften konnten den Raum der Mark Brandenburg nicht gleichmäßig besiedeln. Erst in der spätslawischen Zeit (ab 1000 n. Chr.) sollte sich das Siedlungsbild wieder ändern.

Das frühe deutsche Mittelalter
(1200-1400 n. Chr.)

Das Ende der Herrschaft der Slawen im 12. Jahrhundert brachte auch die Auflösung alter Stammesverbände mit sich. Die damit verbundene Neuordnung bedeutete auch eine Ausdehnung des Siedlungslandes. Dafür schien der Britzer Raum mit seiner Lage am Rande des feuchten, mit Sandinseln durchsetzten Berliner Urstromtals mit den durch Tonen angereicherten Moränenflächen des Teltowplateaus und den charakteristischen Teichen sehr geeignet. Auf der Gemarkung Britz entstanden so mindestens zwei kleine Siedlungen. Bei Grabungen 1967 im Pfarrgarten der Dorfkirche von Britz wurde das Vorhandensein eines slawischen Dorfes in der Nähe des Dorfteiches nachgewiesen. Die zweite Ansiedlung befand sich auf den späteren Britzer Wiesen und war vom 11. Jahrhundert bis in die deutsche Zeit besiedelt.


Britzer Mädchen mit Glasschale

 


Charonspfennig